Gemünda in Oberfranken

1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda

Dr. Heinrich Stephani, Theologe, Pädagoge und Schulreformer, wurde am 1. April 1761 in Gemünda geboren.

Noch heute erinnern eine Gedenktafel am Pfarrhaus, sowie die nach ihm benannte Schule und Strasse an den engagierten und visionären , aber auch unbequemen Zeitgenossen.

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Aus diesem Anlass  wurde mit 2 Veranstaltungen an den großen Sohn des Ortes erinnert, ein Grund für die “Stiftung 1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda” und eine große Zahl interessierter Einwohner, zusammen diesen Geburtstag zu feiern.

In ihrem Vortrag in der Johanneskirche am Freitag, 1.4.2011 brachte Pfarrerin Kathrin Neeb den Zuhörern die Person Heinrich Stephani näher, referierte über seine Studien der Theologie und seine Tätigkeit als Hauslehrer bei den Grafen von Castell.

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Sie führte dem interessierten Kreis die Zustände an den Bayerischen Schulen um 1750 vor Augen und berichtete von den Reformplänen Heinrich Stephanis. Er verbesserte  Unterrichtsorganisation, Lehrmethoden und Besoldung der Lehrer, entwickelte pädagogische Konzepte und Theorien und suchte, diese Ideen auch praktisch umzusetzen.Als er 1808 Kreisschul – und Kirchenrat wurde, organisierte er das Schulwesen neu, schaffte das dreigliedrige Schulsystem.

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Seine zahlreichen Schriften, vor allem aber die Lautiermethode zum Lesenlernen waren bahnbrechend.

Seine Ideen wurden nur ansatzweise verwirklicht, und er nahm für sich das Zitat aus Schillers Don Carlos als  Leitvers für sein Leben : “Das Jahrhundert war seinem Ideal nicht reif. Er lebte, ein Bürger der Jahrhunderte, die kommen werden.

Bürgermeister Hendrik Dressel lud nach diesem überaus gelungenen Vortrag über ” Heinrich Stephani – ein Kind Gemündas, ein Lehrer für das Volk”, die Zuhörer zu einem kulinarisch ebenso gelungenen Ausklang in die Alte Schmiede ein.

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Der zweite Teil dieses Geburtstagswochenendes hatte eine andere Prägung, war aber ebenso eindrucksvoll und interessasnt.

Es galt, die Rolle Heinrich Stephanis  bei den Schokoladisten zu erklären, einer Bewegung, die von ihm  in Jena, seinem Studienort gegründet wurde.

Dazu war ins Hofcafé Mohnbiene eingeladen worden, wo nicht nur trockene Theorie geboten wurde, sondern Schokolade in verschiedensten Formen die Gaumen verwöhnte.

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Denn Schokolade, so erklärte Gerhard Jöchner in seinen einleitenden Ausführungen, besänftigt das Gemüt, stärkt die Gesundheit und macht freundlich und friedlich.

Im anschließenden Sketch, zusammen mit Michael Löhlein gespielt, wurde herausgearbeitet, dass Schokoladetrinker keineswegs Weicheier und Drückeberger waren, sondern die Meinung vertraten, dass Streitereien und Differenzen besser beim gemeinsamen Genuss des damaligen Modegetränks Schokolade gelöst wurden, als durch die in dieser Zeit üblichen Duelle.

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Allerdings zeigte sich auch hier, dass Stephani seiner Zeit wieder einmal voraus war, denn trotz anfänglicher Begeisterung konnte sich der Grundsatz des “Diskutieren statt Duellieren” nicht auf breiter Ebene durchsetzen, was sicher auch im aufbrausenden und arroganten Charakter Heinrich Stephanis begründet lag.

Mag die Person und das Werk Heinrich Stephanis nur noch wenigen bekannt sein, so ist sein Engagement für friedliche Konfliktlösung durch das Trinken von Schokolade leider nicht mehr als eine Fußnote seiner eigenen Biografie.

Gemünda allerdings hat seinen großen Sohn gebührend gefeiert und plant für das kommende Jahr, die 1175 Jahr – Feier, wieder – wie könnte es anders sein – ein abwechslungsreiches, interessantes Programm.

Friedlich soll es dann zugehen, konfliktfrei und mit viel Spaß für alle Besucher, ob mit oder ohne Schokolade!



Von Astrid Franz Am Sonntag, 3. April 2011